Red Sprite (Roter Kobold)

  ..über Südbayern 2015 

Fotografiert am 9.August 2015 in Germerswang, Fürstenfeldbruck

Th.Boeckel 

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9.August 2015

Schwere Gewitter in der Region Garmisch-Partenkirchen wurden bereits am Nachmittag des 9. August ständig vorhergesagt. Mit Blick von Fürstenfeldbruck aus wurde ab 22:30 bei totaler Dunkelheit (fast Neumond) in etwa 80-100 km Entfernung heftiges Wetterleuchten in Richtung Süden beobachtet. Hier wurde durch mehrere Gewitterzellen der gesamte Bayerische Voralpenraum permanent hell erleuchtet. Nach und nach zogen die Wolken in Germerswang ab, somit gesellte sich ein klarer Sternenhimmel über dem Spektakel dazu. Uii.. das wären ja endlich einmal perfekte Voraussetzungen um einen Red Sprite zu erwischen. So begab ich mich auf einen Hügel nahe Germerswang wobei mich erst mal ein heftiger Sturm erwartete.  Fotografieren schien fast unmöglich und wieder einmal stellte ich mir die Frage, "was mache ich hier eigentlich". Irgendwie war ich mir ziemlich sicher, dass es die sinnfreieste Tat seit langem war. Auch hatte ich ständig das sichere Gefühl, dass ich hier in einer beleuchteten Gegend wie München, und auch woanders niemals in meinem Leben einen so seltenen und zufällig erscheinenden Red Sprite auf einen Chip bannen werde.

Ich war sichtlich überrascht, dass es doch nach 25 Minuten geklappt hat ;-).

Red Sprites Bavaria 2015 by Boeckel

Nachdem ich 600 Photos durchsuchte die Überraschung. Um 21:07 UTC wurde tatsächlich ein kleiner Sprite (links oben) abgelichtet.

Canon5D MIII,24mm, f2.8, ASA 3200, Exp. 5sec

Anzumerken wäre, welche Details würde dieses Foto bei Blende 1.4 und absoluter Dunkelheit in den Bergen Preis geben.

Red Sprite 2015 by Boeckel

 Das gleiche Foto Kontrast-und Farbverstärkt

Red Sprites Bavaria 2015 by Boeckel     Red Sprites Bavaria 2015 by Boeckel

Die Erscheinung eines Red Sprites dauert weniger als 2/100 Sekunden und kann allerdings sehr hell sein. Die Helligkeit bleibt jedoch ein vielfaches unter einer Blitzentladung. Der Ausschnitt zeigt Details einer typischen Red Sprite Struktur.

    

Weitere Photos der Gewitterstimmung Richtung Süden/Alpen allerdings ohne Sprites.

    


 Wie kommen diese seltenen Leuchterscheinungen zu diesem Namen, wann wurden sie entdeckt und wie entstehen diese?

Die Erscheinung eines Red Sprites dauert etwa 2/100 Sekunden, kann aber allerdings sehr hell sein und mit bloßem Auge gesichtet werden. Die Helligkeit bleibt jedoch um ein Vielfaches unter einer Blitzentladung. Zu deutsch 'Rote Kobolde' erscheinen durchschnittlich in einer Höhe von 60-80 km in der Mesosphäre. Auch Sichtungen bis zu einer Höhe von 90 km zum Rande der Ionosphäre sind möglich. Die Höhe des Sprites kann von 10 km bis zu 20 km variieren. Die Breite der Entladungen können 40 - 60 km erreichen.

Bis 1989 wurde die Existenz von Red Sprites generell abgestritten da nur Jetpiloten vereinzelt Sichtungen bekannt gaben. Hierbei ernteten sie eher missmutige und spöttische Reaktionen :-(. Folglich wurden auch viele Sichtungen verschwiegen. Ab 1989 gelang es zwar Red Sprites zu fotografieren, aber aufgrund der noch nicht fortgeschrittenen Kameratechnik waren die mäßigen Resultate wissenschaftlich nicht zu gebrauchen.

1991 gelang es den Astronauten der damaligen Space Shuttle Mission dieses Phänomen erstmals aus dem Weltraum gezielt fotografisch zu erfassen, wobei diese Aufnahmen auch als erste aussagekräftige Beweise dienten. Daraufhin wurden mittels high-tech gespickter Forschungsflugzeuge sehr kostenintensive Versuche von der NASA und der NOAA unternommen, welche diese Erscheinungen weiter aufklären und bildlich festhalten sollten. Nachdem diese Bemühungen anfänglich monatelang keine Ergebnisse lieferten und die Forscher sich als buchstäblich an der Nase herumgeführt betrachteten, nannte man diese Entladungen schon fast boshaft 'Sprites' was zu deutsch 'Kobolde' bedeutet. Ja, wer den Pumuckl kennt... ;-) . Die erste farbige Aufnahme gelang erst 1994 der 'University of Alaska', wobei eine hocheffiziente Kamera an einen Wetterballon installiert wurde.

Übrigens, eine plausible Erklärung über die Entstehung von Red Sprites hat man bis heute nicht, aber dafür gibt es unzählige Theorien. Wissenschaftlicher Bericht in der Washington post. Die gängigste Version erklärt, dass sich bei heftigen Gewitter größere Spannungsfelder über der Zelle aufbauen welche sich folglich durch Übersättigung nach oben selbst entladen. Die eigentliche Leuchterscheinung entsteht in der Mesosphäre durch Kollision von Elektronen mit der dort stets vorkommenden kosmischen Gammastrahlung.


Mehr über Red Sprites bei

  

(Sprite link)

Wissenschaftlicher Artikel in der Washington post


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