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Hauptziel der Reise war die Besichtigung des derzeit größten
und aktivsten Lavasees der Erde im Krater des Nyiragongo-Vulkans. Der Nyiragongo befindet sich im
östlichen Kongo etwa 20km nördlich vom Lake Kivu nahe der
Stadt Goma. Dieser dominante, 3469m hohe Stratovulkan gehört
zur Virunga Vulkankette, welche sich im westlichen Arm des
ostafrikanischen Rift Valleys von Ruanda in den Kongo hinein
erstreckt. Der Gipfelkrater hat einen Durchmesser von etwa
1200m und fällt extrem steil von mehreren Terassen
unterbrochen etwa 600m bis zum derzeitigen Lavaseespiegel
ab. Die Nyiragongo-Lava ist besonders dünnflüssig, was zu
einer schnellen Lavaseebewegung führt. Dieser Lavasee kann
über Jahrzehnte bestehen, dabei kann sein Lavastand
kurzfristig stark variieren. Diese extrem dünnflüssige Lava
führt bei den alle paar Jahrzehnte stattfindenden
Flankeneruptionen zu enormen Zerstörungen, da die Stadt Goma
direkt am Bergfuß liegt und die sehr hohe
Ausbreitungsgeschwindigkeit der austretenden Lava
unvermittelt bis zum Stadtzentrum vorrücken kann. Anders als
bei den langsam dahinfließenden Lavaströmen anderer Vulkane
bleibt dabei kaum Zeit zur Flucht. So sind die Spuren des
Ausbruchs vom 17.1.2002 noch heute anhand von begrabenen
Straßen, Häusern und Autos unübersehbar.


Da eine Anreise per
Flugzeug direkt in den Kongo u.a. mangels
vertrauenserweckender Flugzeuge kaum in Frage kommt bleibt
nur der Landweg über das inzwischen überraschend stabile
Ruanda. Der Aufenthalt in Kigali, der Hauptstadt Ruandas
zeigt die enormen Fortschritte, welche seit dem Genozid vor
12 Jahren erreicht wurden. Dennoch vermitteln
Erfahrungsberichte und Zeitdokumente hautnah und sehr
bedrückend die unbeschreiblichen, menschenverachtenden
Vorgänge von damals. Der Grenzübertritt in den Kongo erwies
sich als überraschend unkompliziert, durch die stetige
Präsenz der ausländischen Schutztruppen kann man sich
zumindest in Goma relativ sicher fühlen.Bei Kontakten mit der einheimischen Bevölkerung spürt man
doch oftmals, dass die Nerven blankliegen und die
erstaunliche Freundlichkeit schnell in Aggression umschlagen
kann. Obschon man auch hier auf wohlhabendere Personen
trifft, lebt die absolute Mehrheit der Bevölkerung in sehr
elementaren Verhältnissen. So dienen auch schon mal in der
Lava von 2002 versunkene Buswracks als Mehrfamilienwohnheim.
Findige Jugendliche bauen sich aus Holz rollerähnliche
Lasttransporter, mit welchen dann die Ernte in die Stadt
transportiert wird.
Der Nyiragongo
Aufstieg erfolgt über einen recht deutlichen Pfad, welcher
im unteren Teil praktischerweise die Lavaströme des 2002er
Ausbruchs nutzt. So kann man die
vielfältigen Erscheinungen, welche solch ein Strom in der
Vegetation erzeugt im Detail studieren.
Dazu zählen vor
allem die Tree Molds, also Löcher in der erkalteten
Lavadecke, welche von ehemaligen Bäumen stammen. Die Lava
zerstörte zwar den Baum, aber die Lava um den Stamm
erkaltete schnell und es blieb ein tiefes Loch als negatives
Abbild des Baumstamms. Von der hohen Geschwindigkeit der
Lava zeugen erkaltete Fließstrukturen, welche um Wurzeln,
durch Äste und über Geländestufen wie frisch und plötzlich
erstarrt liegen.

Nahe der ehemaligen
Austrittsspalte findet sich im Geäst fast jeder Baumleiche
zahlreiches Auswurfmaterial. Der Pfad führt an Hütten
vorbei, welche schon vor Jahrzehnten als Unterstand
errichtet wurden.

Damals, noch vor den
Kriegszeiten war dieser Vulkan schon gut erschlossen und
touristisch recht beliebt.
Frühere, mit großem
Aufwand betriebene wissenschaftliche Expeditionen haben an
der Kraterkante Plateaus ausgehackt um über mehrere Wochen
ein großes Helferaufgebot samt schwerer
Expeditionsausrüstung in den Krater abzuseilen. Diese immer
noch erhaltenen Flächen dienen heute als ideale
Campingfläche, nur hier kann man die Zelte bequem
aufstellen. Der große Vorteil liegt in der direkten
Nachbarschaft der Kraterkante, jederzeit ist ein Blick
hinunter zu Lavasee möglich.


Für andere Einblicke kann man
den Krater umrunden, was aber eine vierstündige Aktion wäre.
So besuchten wir nur die Westseite, von dort aus ist ein
Blick auf den kompletten Lavasee ohne jede Verdeckung
möglich. Die ruhig dahindriftende Seeoberfläche, welche an
die Plattentektonik der Erde erinnert liefert mit ihren in
etwa halbstündigen Abstand aufflammenden enormen,
gasgetriebenen Lavablasen ein wirklich großartiges
Schauspiel. Bei diesen Aufwallungen entstehen ganze
Ausbruchsspalten mit über hundert Metern Länge und mit mehr
als 25m grossen Lavablasen.